Kommt mal klar

Wir waren früher anders und das war gut so. Ich lebe in einem kleinen Vorort von Bielefeld, der Jöllenbeck genannt wird.

Als ich hier aufgewachsen bin war alles anders. Man kannte die Nachbarn, hat mit ihnen geredet und gefeiert und sich mal ausgeholfen. Klar, war man sich nicht immer grün, aber man war da, außer die abgehobenen Nachbarn, die meinten sie wären was besseres, die hätten mich nämlich lieben gerne an der Bushaltestelle stehen lassen, wenn ich den Bus verpasst hätte. Ich war 9 Jahre alt und das doofe Arbeiterkind, dass es nie schafft und sich nicht benehmen kann und ich war bei denen nicht gerade beliebt. Was sich in meiner Sturm und Drang Phase natürlich nicht besserte.

Darum geht es aber jetzt gar nicht. Man passte irgendwie aufeinander auf und tolerierte sich.

Wenn man anders war, war das okay. Man wurde nicht abwertend angeschaut. Man durfte sein, mehr oder weniger. Wir Jugendliche hielten sowieso zusammen. Da war es egal wer Oberlohmannshof wohnte oder Kahmannshof oder wo auch immer. Standesdünkel hatten nur die die sich so toll fanden, die ihren Kindern verboten mit uns abzuhängen, weil wir schlechter Umgang waren. Uns war es egal. Wir mochten wenn wir mochten und wir legten dem Scheiße vor der Tür der eben scheiße war.

Aber jetzt zieht diese Abgehobenheit hier Kreise. Es wird herabgeschaut auf die, die hier „nicht rein passen“. Die die nicht Schema F sind, die die anders sind, woanders herkommen, anders aussehen nicht der wohlgelobten „Norm“ entsprechen. Die Standesdünkel Menschen aus der Stadt hat es alle in unser schönes Dorf gezogen.

Jetzt ist Oberlohmannshof plötzlich sozialer Brennpunkt und es wird gemunkelt wer welches Haus gekauft hat und wo die wohl herkommen. Es ist plötzlich wichtig im welchen Teil des Dorfes du wohnst und auf welche Schule du gehst und nicht was für ein Mensch du bist. Und ich würde am liebsten dem halben Dorf Scheiße vor die Tür legen.

Denn am Ende sind wir doch alle Jöllenbecker, kommt mal klar.

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