Schöner sein

Jetzt sitze ich hier und habe viel zu viel Zeit mit mir selber und es arbeitet ihn mir, aber Angst, Angst habe ich keine mehr. Hatte gehofft ich kann hier schreiben, mein Buch weiter schreiben, aber Worte habe ich keine dafür. Dachte ich könnte kreativ sein, aber in mir werde ich eher heile, ohne Worte und so genau drüber schreiben kann ich nicht. Mir kommen so Gedanken zu Sprüchen, die ich mal gelesen habe:

„irgendwann habe ich einen Körper den du nie angefasst hast, da sich alle Zellen nach 7 Jahren erneuern“

Da war ich total motiviert dazu einen Text zu schreiben. Dann habe ich recheriert, nope ist nicht wahr, na gut dann schreibe ich eben nicht drüber.

Im Zug habe ich angefangen mein Buch weiter zu schreiben, aber die Worte, und Ideen, die Inspiration kommt nicht. Beim ersten Teil des Buches flutschte die Geschichte nur so aus dem Kugelschreiber. Jeden Sonntag habe ich im Café gesessen und geschrieben und die Worte flossen aufs Papier.

Jetzt fliesst gerade nix. Nur meine Gedanken durch meinen Kopf und irgendetwas in mir löst sich. Ich glaube der Grund aus dem ich das Buch nicht weiter schreiben kann ist, dass ich will, dass meine Figuren in bestimmte Richtungen laufen, aber die wollen nicht und ich kann mich einfach nicht davon frei machen, ich denke das ist das größte Problem. Als ich den ersten Teil 2012 geschrieben habe wusste ich nicht wer oder was die Personen sind, wusste nicht wohin sie laufen und was sie erreichen können. Ich habe sie sich unter dem Stift entwickeln lassen. Das geht gerade nicht, weil ich sie unter dem Stift verbiege. Mal sehen wann ich sie endlich wieder sie selbst sein lasse.

Ich denke ich muss mich auch von meiner eigenen Entwicklung frei machen. Wohin ich laufen möchte, wovon ich träume, wie ich heilen möchte. Das ich möchte dass alles wieder gut ist in mir, dass ich vergessen kann, aber vergessen nährt das Trauma.

„Was ich dir wünsche Herz ist Heilung. Heilung heißt nicht, dass der Schaden nie existiert hat. Heilung heißt, dass der Schaden mit der Zeit und etwas Herz und Verstand dein Leben nicht mehr kontrolliert.“

— Glashaus (Kraft/ Schöner sein)

Man kann es nicht ungeschehen machen und warhscheinlich werden ich immer einen Schock bekommen, wenn mich jemand, von hinten berührt ohne was zu sagen. Das ist nun eine meine persönlichen Grenzen, man darf mich ohne meine Erlaubnis nicht mehr anfassen. Das mag ich nicht, das macht mir Angst. Wenn ich nein sage, dann heißt das auch nein, egal was jemand meint was es heißen könnte. Heißt das es beeinflusst noch mein Leben? Oder geht es um die Angst, die mich ausflippen lässt? Oder geht es um die Vorsicht, die aus meinem Trauma resultiert?  Das ich prüfe wen ich in mein Leben lasse. Das ich Grenzen setze was ich mag oder nicht. Das ich Nachts ungern alleine rausgehe und lieber jemanden mitnehme? Dass ich mein Glas nicht mehr unbeobachtet stehen lasse? Sei es auch nur eine Kaffee im Cafè.

Hingegen alleine in den Urlaub fahren ist klasse. Solange ich mich in dem Hotel sicher fühle. Ach es ist soviel los, was schränkt mich ein, was nehme ich mit, was ist wichtig, was gebe ich weg.

„Aber aufgeben darf ich nicht. Manchmal löst ein Abgrund in mir Angst aus. Doch ich geh nicht zurück, ich nehm nur Anlauf.

Auch wenn wir schon weit gekommen sind, wir gehen immer weiter hoch hinaus. Egal wie hoch die Hürden auch sind, sie sehen so viel kleiner von hier oben aus.

Wenn dir die Luft ausgeht, nur nicht nach unten sehen. Wir gehen immer weiter hoch hinaus, immer, immer weiter hoch hinaus.

— Tim Bendzko (Filter/ Hoch)

Veröffentlicht von Manuela Ludorf

Manuela Ludorf wurde im September 1977 in einem Vorort von Bielefeld geboren. Mit 14 Jahren fing sie an zu schreiben. Sie studierte Informatik an der Universität Bielefeld mit dem zweiten Hauptfach Linguistik. Neben ihrer sehr logisch strukturierten Arbeit als Software-Entwicklerin pflegte sie das Schreiben als Ausgleich. Im November 2012, nach dem Tod ihres Vaters und einer sehr schmerzhaften Trennung, fing sie an ihr erstes Buch zu schreiben. Durch das Schreiben findet sie Zugang zu Gefühlen. Dabei muss es sich nicht zwingend um ihre Gefühle handeln, da sie sich beim Schreiben durch Situationen aus ihrem Leben und Begegnungen mit ihren Mitmenschen inspirieren lässt.

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