Was das mit einem macht

Es ist schon seltsam seiner großen Liebe zu begegnen wenn man gerade mal 10 ist. Und hey er war noch viel jünger, der gute Herr war drei. Ich hatte damals den ganzen Nachmittag mit ihm verbracht. Es war der letzte Tag seiner Familie in Opatija. Ich habe nachgeguckt, sie waren am nächsten Tag wirklich weg.

Was es mit uns gemacht hat uns so früh kennenzulernen. Nur für einen Tag, einen Nachmittag spielen, lachen. Ich weiß nicht mehr genau was wir gemacht haben. Es sind Fragmente. Es ist ja auch schon 31 Jahre her. Es ist ein Wunder, dass ich mich überhaupt an irgendwas erinner.

Ist dieser Tag der Grund dafür, dass er emotional abgestumpft ist, seit er denken kann? Oder ist das eine Zeile die da gar nicht so ist wie gesagt? Immer wenn wir uns treffen kommt er mir gar nicht so vor. Egal ob er 3 oder 21 oder 28 oder eben 34 ist. Sein Blick ist immer so liebevoll oder halt belustigt weil ich ihn wieder nicht erkannt habe.

Er erkennt mich immer und ich steh immer auf dem Schlauch.

Mir wurde vor einigen Jahren von jemanden gesagt mein Glaubenssatz wäre „Alles was ich liebe verlässt mich“ Jetzt weiß ich warum das so war. Es hinterließ ein Riesen Loch in mir, dass er weg war am nächsten Tag. Deswegen habe ich diese Erinnerung behalten, weil sie bitter süß war. Wie alle Erinnerungen mit ihm.

Und an diesem verdammten Abend 18 Jahre später hat mich das alles überfordert. Dieses Gefühl ihn zu kennen. Das Gefühl plötzlich ganz zu sein. Das hatte ich solange nicht gefühlt. Ich wusste nicht wer er war und das wir uns schon so lange kennen. Ich war überfordert also ging ich.

Vor 6 Jahren, als er ständig durch meine Leben stolperte, wusste ich auch nicht wer er war. Und das mir wegen ihm, den ich nicht kannte, dem ich aber schon längst verfallen war, der sich gerade in der Disko aus der Mädchentraube kämpfte und neben mir landete, weiche Knie bekam war auch neu. Ich bin nicht so und plötzlich bin ich verliebt.

Das war neu für mich, es überforderte mich und ich hatte das Gefühl ich kann das nicht und ich schoss über das Ziel hinaus um anderen was zu beweisen, und verlor ihn. Es tat weh, mehr als irgendwas was ich je gespürt hatte. Es zerriss mich, ihn immer wieder mit einer anderen Frau zu sehen und da wurde mir klar, dass ist keine Schwärmerei, ich liebe ihn wirklich. Egal wie weh alles tat, meine Zweifel an meinen Gefühlen war weg. Ich liebe ihn wirklich. Also nahm ich diese Liebe als Treibstoff und fing an zu leben. Mir mein Leben zurück zu erobern, dass ich auf dem Weg verloren hatte. Das hat nix mit ihm zu tun, dass ich mein Leben verloren hatte, das war auf dem Weg zu ihm hin passiert. Er macht mich immer stark. Diese Liebe macht mich stärker , auch wenn alles in Trümmern lag, es war egal.

Da stellte fest ich muss niemanden was beweisen. Fickt euch alle. Ich bin ich und das ist mein Leben. Ich habe noch nie so geliebt. Ich zog mich von ihm zurück, blockte und entfolgte ihm auf Twitter, auf Instagram, auf Facebook und auf YouTube. Ich ging, weil ich ihn liebte. Ja klar auch weil ich verletzt war, aber größtenteils weil ich ihn liebte und hoffte er hat jemanden gefunden der ihm das geben kann was ich nicht konnte, weil ich der Situation nicht gewachsen war. Ich bin einfach zu geübt dadrin ihn gehen zu lassen, denn das habe ich oft genug getan. Ich bin zu geübt dadrin ihn gehen zu lassen. Das will ich nicht mehr!

Veröffentlicht von Manuela Ludorf

Manuela Ludorf wurde im September 1977 in einem Vorort von Bielefeld geboren. Mit 14 Jahren fing sie an zu schreiben. Sie studierte Informatik an der Universität Bielefeld mit dem zweiten Hauptfach Linguistik. Neben ihrer sehr logisch strukturierten Arbeit als Software-Entwicklerin pflegte sie das Schreiben als Ausgleich. Im November 2012, nach dem Tod ihres Vaters und einer sehr schmerzhaften Trennung, fing sie an ihr erstes Buch zu schreiben. Durch das Schreiben findet sie Zugang zu Gefühlen. Dabei muss es sich nicht zwingend um ihre Gefühle handeln, da sie sich beim Schreiben durch Situationen aus ihrem Leben und Begegnungen mit ihren Mitmenschen inspirieren lässt.

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