Ich habe da mal eine Frage!

Wie lebt man? Nein, jetzt ohne scheiß. Was macht es aus sein Leben wirklich zu leben? Was beinhaltet das? Was macht ein erfülltes Leben aus?

Jetzt wo ich wieder bei meiner Familie bin geht es mir richtig gut. In Stuttgart habe ich irgendwie gar nicht mehr gelebt zu letzt, sondern mich versteckt und bin hinter meinen sogenannten Freunden hinterher geschwommen. Das Gefühl habe ich jetzt zumindest.

Hier habe ich ein Leben, das besteht nicht wie früher, bevor ich hier weggegangen bin, durch feiern bis zum umfallen, sondern durch Freunde treffen und mit meiner Familie Dinge tun, aus arbeiten, in einem Job der mich wirklich erfüllt. Es ist langsam Alltag eingekehrt. Meine Leidenschaft, die Konzerte, habe ich aus Stuttgart mitgenommen.

Im Moment sitze ich im Garten, und überlege, ist das Leben? Ich fühle mich auf jeden Fall sehr lebendig. Die Angst ist manchmal noch da, aber sie hat kein Recht mehr über mein Leben zu bestimmen. Ich gebe ihr diese Macht nicht mehr, auch wenn das manchmal ein wenig wie Tau ziehen ist. Und man weiß nie wer am längeren Seil sitzt, aber meistens ich 😉 Und dieses meistens ich, macht mir unheimlich viel Mut.

Letzte Woche war ich an der See, an der Nordsee und ich hatte viel Zeit nicht über die Ereignisse oder Menschen nachzudenken, sondern um zu fühlen, in mir viel zu sortieren. Zu erkennen, wer oder was mir wichtig ist und wie ich sein möchte. Die Woche vor meinem Urlaub war ich von Angst gepeinigt, sie breitete sich überall aus und ich wusste überhaupt nicht mehr wo mir der Kopf steht. Ich wusste nichts mehr, fühlte nichts mehr, die Angst füllte alles aus und warum?

Weil alles gut war, ich habe hier einen super Job gefunden, mit super Möglichkeiten und tollen Kollegen. Ich habe mich hier mit alten Freunden wieder zusammen getan und alles ist gut. Ich fange an mich zu Hause zu fühlen. Ich merke, dass mir das was ich mache so wichtig ist, dass mir die Menschen um mich wirklich wichtig sind und plötzlich wurde mir klar wie viel ich gerade zu verlieren habe, wenn ich den Kampf in mir verliere. Naja, und dann kam der Gedanke, „Schaffe ich das? Gewinne ich diesen Kampf in mir? Was ist wenn nicht? Verliere ich dann alles? Lassen mich dann die Menschen, meine Freunde, meine Familie, meine Kollegen, er, diese Menschen, die mir so wichtig sind fallen? Muss ich dann wieder von vorne Anfangen?“ und diese Gedanken wurde riesengroß und drehte sich mir im Kopf und Herz und ich war so sehr mit mir selber beschäftigt, dass ich gar nichts mehr konnte und wollte und fühlte, außer diese Angst und dann musste ich mich in mir verstecken. Ich hatte wieder die düstersten Gedanken, die richtig düsteren. Bis zum Mittwoch vor meinem Urlaub, ich war an diesem Tag von Panik zu Panik gewandert und abends klappte alles in mir zusammen. Ich dissozierte und das Kind in mir kam raus, weil nur das Kind dazu fähig ist mit diesen Gefühlen klar zu kommen. Naja, dieses Kind ist mein Schutzmechanismus, ich bin dann wieder vier und handle auch so. Oft ist die Dissoziation bei der PTBS ein Zustand in der man wie in Trance ist, das kenne ich auch. Aber wenn alles gut läuft bei mir übernimmt die vier jährige in mir und dann wird meistens alles wieder gut. Ich weinte die Anspannung raus und am nächsten Tag konnte ich wieder erwachsen sein und die Angst war weg.

Dann bin ich in den Urlaub gefahren, nur 6 Tage danach und es war wunderbar. Es war so viel in mir los davor, aber während dessen, mit dem Blick auf’s Meer wurde in mir alles gut und es war als ob das Salz in der Luft einfach sich auf meine Seelenwunde legte und sie schloss. Es war eine unheimliche Ruhe in mir, ich genoss es, merkte aber 7 Tage alleine sind dann doch etwas lang. Könnte aber auch damit zusammen hängen, dass es mir das Wochenende körperlich nicht so gut ging. Das legte sich aber am Montag wieder, so dass ich noch einen Tag genießen konnte bis es dann nach Hause ging. Ich kann auch nicht wirklich mehr drüber schreiben, nur das es einfach toll war.

Ach so was meine eigentliche Frage angeht. Ist das Leben? Sich lebendig fühlen? Der Angst einhalt gebieten? Sich auf neue Umstände einzustellen? Dem Leben vertrauen, den Menschen, um mich vertrauen und sich dafür zu entscheiden nicht alle wegzuschuben, sondern sie mit offenen Armen willkommen zu heißen. Also meine Frage, was ist Leben? Ist das Leben?

Veröffentlicht von Manuela Ludorf

Manuela Ludorf wurde im September 1977 in einem Vorort von Bielefeld geboren. Mit 14 Jahren fing sie an zu schreiben. Sie studierte Informatik an der Universität Bielefeld mit dem zweiten Hauptfach Linguistik. Neben ihrer sehr logisch strukturierten Arbeit als Software-Entwicklerin pflegte sie das Schreiben als Ausgleich. Im November 2012, nach dem Tod ihres Vaters und einer sehr schmerzhaften Trennung, fing sie an ihr erstes Buch zu schreiben. Durch das Schreiben findet sie Zugang zu Gefühlen. Dabei muss es sich nicht zwingend um ihre Gefühle handeln, da sie sich beim Schreiben durch Situationen aus ihrem Leben und Begegnungen mit ihren Mitmenschen inspirieren lässt.

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